Sonntag, 3. September 2017

Gut bezahlte schlechte Arbeit

Wir werden von einer Wirtschaftselite regiert, die Politiker vorschiebt die Verantwortung für die Taten, das Fehlverhalten dieser Wirtschaftselite zu übernehmen, währenddessen jene Elite im Hintergrund bloß in Zahlen denkt und daher in ihrer Kurzsicht darauf fokussiert ist die Kosten klein zu halten, damit die Qualität zu senken, und die so die großen Probleme von morgen schafft. Nur dass wir uns richtig verstehen - für so viele Bereiche gilt: Die Kosten im Einzelnen klein zu halten, schafft die großen Probleme von morgen für die Vielen.

Weil geprägt von Sunzis Die Kunst des Krieges nun jene Wirtschaftskaste bestehend aus Betriebswirten, die zwar von Betrieben, Konzernen und deren Überleben etwas verstehen - wie am besten der für sie "feindlichen Umwelt" alles abzuverlangen, herauszureißen ist, wie Gewinne zu privatisieren und Verluste zu verstaatlichen, wie Staaten gegeneinander auszuspielen sind, stets mit der Drohung beim Hinterfragen ihnen aufgezwungener Bedingungen in ein anderes Land, in ein Land der (noch) Willfährigen abzuwandern - doch nichts von den Menschen versteht, von der Gesellschaft, den Zusammenhängen, also nicht systemisch denkt, sondern fraktioniert und partikulär, reduziert diese Wirtschafts(krieger)kaste, die ganze Gesellschaft mit ihren Standards, das Miteinander, auf Kennzahlen, die es, was die Kosten betrifft, aus ihrer Sicht um jeden Preis klein, gering zu halten gilt.

Doch übersieht diese Wirtschaftskaste dabei (wohl ganz bewusst) einen wichtigen Punkt: Menschen kosten. Sie sind kostbar; und in Systemen lohnt sich vieles, was teuer ist, auf lange Sicht, und vieles, was billig ist, hält nicht allzu lange. Weil sich nun diese Wirtschaftselite dessen bewusst ist, es aber nicht wahrhaben will, könnte man meinen, dass so viele Wirtschaftslenker um jeden Preis diesen Kostenfaktor zu eliminieren versuchen, nicht indem sie menschenwürdige Lösungen für alle anbieten, sondern bloß für wenige, und immer weniger, und die Kosten unter allen Bedingungen drücken, indem sie den Vielen erst die Jobs, dann die Würde und das Leben nehmen.

Und weil die ganze konzertierte Malaise aufeinander abgestimmt sein will, treffen sie sich zur Besprechung und Planung alljährlich in Davos, Alpbach und in Jackson Hole, wo sie am kollektiven "Schwarzen Loch" werkeln, in das sie die Legionen der Armen stürzen, die Überreste der Mittelschicht abrutschen lassen und verscharren, ein Schwarzes Loch, das sie zuvor die, die ihnen ergeben dienen, ihre Politik verteidigen, für sie schaufeln lassen, um ihnen erst am Schluss den Todesstoß per Tritt zu verpassen und sie wissen zu lassen, dass auch sie als die braven Diener ihrer mehr als vermögenden Herren nicht und niemals in deren Gated Community Platz finden sollten.

Wer nun sagt, dass dieses Schwarze Loch, in das die Mehrheit der Menschen wegen jener Wirtschaftselite schlittert, zu schwarzgemalt ist, den frage ich: Was rechtfertigt die fürstliche Bezahlung dieser Elite, wenn sie trotz oder gerade wegen ihrer "Kompetenz" und "guten" Ausbildung an diesem immer mehr in Schieflage geratenden Schiff, auf dem wir uns befinden, nichts ändern wollen oder können? Und wer nun fragt, wer, wenn nicht jene Elite sollte uns, das Erdenvolk, regieren? Den frage ich zurück: Warum sollte man jener Wirtschaftselite weiter vertrauen, weiter folgen, sie weiter machen lassen wie bisher, wenn sie doch über die Jahre erfolgreich unter Beweis gestellt hat, im besten Fall, in der bestmöglichen Auslegung ihrer Motive mit der Lage völlig überfordert zu sein? Denn wie sie Jahr für Jahr erneut beweist: Einen derart schlechten aber sehr gut bezahlten "Job", als Funktionär dieser globalen Elite, könnte wohl wirklich jeder machen.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann