Dienstag, 26. September 2017

Politische Korrektheit als Herrschaftsinstrument

Politische Korrektheit ist mehr als ein Ausdruck eines Friedensprojekts, mehr als ein Aufruf zum Friedenserhalt und gedeihlichen Miteinander, mehr als eine Maßnahme zur Sicherung des sozialen Friedens, denn Politische Korrektheit steht im klaren Widerspruch zur freien Meinungsäußerung, verdammt jeden dazu sich seine Meinung nur mehr zu denken - sofern sie von der als Mehrheitsmeinung proklamierten Meinung des Establishments abweicht - da's irgendwo irgendjemanden geben könnte, der sich von der geäußerten Meinung in Frage gestellt und provoziert fühlen könnte - und genau genommen: diesen jemand gibt's immer irgendwo.

So dient Politische Korrektheit der Nivellierung des Geistes, der Gleichmacherei der Menschen und ihrer Geister, der Vereinheitlichung des Denkens und soll über Massenmedien sicherstellen, dass jeder das Gleiche denkt, alle das Gleiche sagen und Pluralität, die unbequem ist, nur das Establishment in Frage stellt und ihm darüber gefährlich werden könnte, möglichst kleingehalten und unterbunden wird.

Politische Korrektheit ist aber mehr als das alles. Sie ist eine Maulsperre, damit die Vereinheitlichung in Wissenschaft, Medien und Kultur ungehindert voranschreiten kann - denn in all diesen Bereichen hatten wir schon weit mehr Vielfalt und damit Unruhe, und damit Meinungsvielfalt und Fortschritt, und nicht nur, wie heute, den Fortschritt in immer die gleiche Richtung, in Wissenschaft, Medien und Gesellschaft, Vereinheitlichung bis zum Gehtnichtmehr, immer mehr vom selben - um mit Friedrich Nietzsche zu sprechen, die "Ewige Wiederkunft", die ewige Wiederkehr des Gleichen - damit der Fortschritt des Establishments unangefochten bleibt.

So ist Politische Korrektheit nur ein Instrument des Establishments, dass sich im Zuge dieser Vereinheitlichung auf ihre Linie niemand mehr seines eigenen Geistes bedient und es nicht wagt den vom Establishment verhängten Vorgaben im Geiste zu widersprechen, und - wenn man es gar nicht lassen kann - es tunlichst leise, ohne Worte zu tun, nur im stillen Kämmerlein, im Keller, im Panikraum - sollte einer vorhanden sein - wo einen keiner hört, wo man dem Fortschritt des Establishments nicht im Wege steht.

Politische Korrektheit ist somit bloß ein Instrument die Kritiker zum Schweigen zu bringen unter dem Deckmantel der "Sicherstellung des sozialen Friedens", der jedoch nur bedeutet dem Establishment zuzusehen, wie es ungeniert regiert, und keine Kritik am Establishment, der herrschenden Klasse zu üben und aufkommen zu lassen, die schon lange überwiegend sich selbst dient, und wie über lange Zeit betrieben, über die Agenten des Gutmenschentums mit dem Establishment im Rücken, weil sie dessen Meinung, Ansicht, auf der Straße, in den Lokalen, Cafés, Kaufhäusern, Zusammenkünften aller Art vehement vertreten, und jeden Abweichler im Umfeld ermahnen und verbessern.

So bedienen sich Politische Korrektheit und ihre Vertreter Methoden der Bespitzelung und zögern nicht lange im Falle kritischer Töne seitens all jener, die etwa anderer Meinung sind, diese zurückzupfeifen, zu maßregeln und als sonst was zu bezichtigen.

Dies erfolgt(e) alles unter dem Titel der Wahrung der Demokratie, des Friedens, des sozialen Friedens und der Ordnung, wodurch nur mit den besten schlechten Absichten der Unterdrückung von Meinungsvielfalt und von Kritik an den Mächtigen, am Establishment, über Jahrzehnte Tür und Tor geöffnet war.

Somit war und ist der Terminus "Politische Korrektheit" mit allem, was dazu gehört, ein "demokratiepolitisches Instrument", mit Hilfe dessen, unter dem Vorwand "der Wahrung der Demokratie", die Demokratie ausgehebelt wird oder zu einer Metternich-Demokratie verkommt, worin kein kritisches Wort fallen darf, nichts Kritisches über die Lippen kommen darf, niemand mehr was sagen darf, was ihm nicht endlos viele Berater vorgelegt haben, was nicht zuvor durch endlos viele Filter ging, um zu garantieren, dass am Ende ja nichts mehr rauskommt, außer ein nivellierter Einheitsbrei, der berechenbar und sicher ist, so berechenbar und sicher, dass das Establishment, die herrschende Kaste und ihre Politik und Staatsführung sicher nicht in Frage gestellt wird.

Politische Korrektheit kann demnach kaum als demokratieerhaltende Maßnahme angesehen werden, sondern als getarnt "demokratiefeindliches Instrument", das Machterhalt über auch medial betriebene gesellschaftliche Vereinheitlichung verfolgt, das Establishment schont, nicht mal vor Bespitzelung per Instrumentalisierung jedes willigen Bürgers zur Umsetzung der "Politischen Korrektheit"-Doktrin zurückschreckt und Staatsführung damit zur kritiklosen Stadtführung verkommen lässt, da "alle" kritischen Stimmen zum Schweigen gebracht wurden und werden.

Der Guide in dieser Stadtführung, Staatsführung mit Politischer Korrektheit, also das Establishment mit seiner etablierten medial verbreiteten Meinung, zeigt nur das bestmögliche Bild der Stadt, des Staats, und will nur das Posterfoto per Schönfärberei gesehen haben, verbannt alle Kritiker in den Keller.

So kommt dann doch bei Politischer Korrektheit, wie betrieben, das Bild in den Sinn eines mit Maulkorb versehenen und dazu noch unter Maulsperre leidenden mündigen Bürgers, der in einer Light-Version der im ostasiatischen Raum gelegenen, weltweit größten (kommunistischen) Diktatur lebt, mit Zensur und Bespitzelung all inclusive.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Dienstag, 19. September 2017

"Uns geht's gut!"

Menschen in der Öffentlichkeit, oft auch Politiker, generell also Menschen, denen es gut geht, sagen gern, "uns geht's ja eh gut", weil sie in ihrer unglaublichen Intelligenz, die geradezu überquillt und von fast nichts zu übertreffen ist, von sich auf die ganze Welt schließen, auf ihr Land, auf ihre Stadt, auf die Menschen, und eben genau jene, nennen wir sie "Uns geht's ja gut"-Menschen, werfen dann mit dem ausgestreckten "Mahnefinger" denen, welchen es auch gut geht, oft Politikern, die aus diesen und jenen Gründen für die Menschen sprechen, denen es jedoch nicht so gut geht - über die Politiker interessanterweise gemeinhin gern nur als "die Menschen" sprechen - strafend vor, sie seien Populisten.

Genau das rückt den Populisten in das für ihn schmeichelhafte Licht, dass er für die Menschen, denen es nicht gut geht, spricht und sich für sie einsetzt, während die, die anderen Populismus vorwerfen, davon sprechen, dass es "uns" eh gut geht, und verwechseln, dass es nur ihnen gut geht und ihrem unmittelbaren Umfeld, ihrer Welt, von der sie auf die ganze Welt schließen, von ihrer Bubble, der es auch deshalb gut geht, weil es so vielen nicht gut geht.

So verhelfen irrwitzig intelligente Menschen in der Öffentlichkeit, auch Staatenlenker gehören teils dazu - generell Exemplare eines ganz bestimmtes Typus Mensch - mit ihrer Ignoranz den Nöten der Menschen gegenüber, einer Kombination aus Unfähigkeit und Untätigkeit sugar-coated mit unglaublicher Intelligenz und Voraussicht, was sich in Formulierungen wie "uns geht's eh gut" zeigt, dem Populisten erst zur Macht und können als die Helfershelfer der Populisten angesehen werden, wenn auch wider Willen.

Somit und kurzum: Was bringt den Populisten letztlich an die Macht? Die Ignoranz der Macht, die ihm vorausgeht und den Weg bereitet, also der Mächtigen, die ähnlich der Aristokratie vor der Französischen Revolution Stück für Stück daran arbeiten, sich selbst abzuschaffen und vom Volkszorn eines Tages einen Kopf kürzer gemacht zu werden.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Montag, 11. September 2017

Krieg der Medien

Ein chinesisches Sprichwort lautet: "Mögest du in interessanten Zeiten leben." Und ich denke, wir leben in so einer Zeit.

Wir leben in einer Zeit, die an Polarisierung kaum zu übertreffen ist, aber so wie ich die Menschheit kenne, wird sie das auch noch schaffen. Und die Spannungslage, die zwei Fronten und Pole, stellen ein Sittenbild dar, wenn auch ein schauerliches und ruft daher Konstruktivisten, Ideologiekritiker sowie systemische Denker auf den Plan.

So verkünden die einen Nachrichtenstationen und Blätter - sie bilden die Mehrheit, jedenfalls derzeit noch - zu ein und demselben Vorfall die Fakten, die für sie die Wahrheit sind, also was man glauben soll. Die anderen Nachrichtenstationen und Blätter berichten ebenfalls über ein und denselben Vorfall, nur eben ganz anders, ziehen andere Schlüsse, präsentieren andere Fakten, eine andere Wahrheit, und drängen darauf, dass man ihnen Glauben schenkt.

Dazwischen befindet sich der ach so mündige Bürger, der Konsument, der stets weiß, wie's rennt. Er ist den medialen Marktschreiern relativ schutzlos ausgesetzt und in den meisten Fällen ihrer Propaganda letztlich ausgeliefert, hin- und hergerissen - es gilt ihn ans eigene Ufer zu ziehen. Beide Fronten in diesem Medienkrieg, in diesem Krieg der Medien, in diesem Krieg der Weltbilder, der Weltdeutungen, bezichtigen sich gegenseitig der Lüge, beschimpfen einander Teil der "Lügenpresse" zu sein, also Fake News.

Doch alles, was als Fakt erscheint, rüberkommt, präsentiert wird, ist bloß der für wahr angenommene Ausschnitt der Wirklichkeit mit den daraus gezogenen Schlüssen und daher hochgradig von der Interpretation und der "Standortgebundenheit der Erkenntnis" (Wissensoziologie - Max Scheler, Karl Mannheim) sowie dem "Vorverständnis" und "Vorwissen" (Martin Heidegger, Hans-Georg Gadamer) desjenigen, der die Fakten bringt und desjenigen, der sie vernimmt, abhängig, auch wenn man davon, wie viele Medienkonsumenten, nichts weiß.

Wenn man also Ideologie und die dahinterliegenden Interessensgruppen, die sich über Nachrichtenstationen und Blätter gerne Gehör verschaffen und ihrem Dafürhalten nach sich selbst als die Guten (friend-foe-scheme) erleben und ausgeben - mit der Wahrheit im Köcher, die in Wahrheit getränkten Pfeile auf die Ungläubigen, die Andersdenkenden mit Inbrunst abfeuern - also ihre Propaganda und Manipulation der Massen betreiben - für "das Gute" versteht sich - in der Lage ist wegzudenken, auszublenden, wird für den geneigten Leser eines sichtbar: Auch wenn die Manipulation der Massen durch dahinterstehende Interessensgruppen kein neues Phänomen ist, sie im 20. und 21. Jahrhundert nun durch neue Massenmedien eine viel invasivere Dimension erfahren hat, drohen gerade im Westen, der sich selbst für die entwickelte Welt hält, durch das hochpolitisierte Sperrfeuer so vieler in führenden Nachrichtenstationen und Blättern, die Früchte der Aufklärung, das "Sapere Aude!" (Wage es deine Weisheit zu gebrauchen!), bei diesem medialen Kriegsgetöse auf der Strecke zu bleiben.

Und ironischerweise gerät gerade die Vorherrschaft der Mehrheit der etablierten Medien, die nunmal sicher nicht rechts ist, just in der Phase massiv ins Straucheln, an dem das über Jahrzehnte betriebene Infragestellen von Autoritäten - die Maxime und Grundlinie vieler linker Gruppierungen - so weit gediehen ist, dass dieses kritische Hinterfragen von allem und jedem weite Teile der Bevölkerung erfasst hat, und die Kritik somit nun auch die etablierten Medien in ihrer bislang unangefochtenen Prädominanz erreicht hat, besonders durch Social Media und damit das Ausfransen der Informationskanäle und die Vervielfältigung und Verbreitung von Meinung.

Somit wurden die über lange Zeit eine Monopolstellung der Informationsvermittlung genießenden etablierten Medien, wenn sie auch ihre "Seid kritisch Millionen!"-Maxime auf konservative und traditionalistische Kräfte gerichtet hatten, die sie mit Bestrebungen wie Bildungsoffensiven und Demokratisierung damit richten oder zumindest ihrer Macht und Pfründe berauben wollten, selbst nun Opfer ihrer eigenen Revolution, der permanenten Revolution, die nun eben auch ihre Kinder, ähnlich der Französischen Revolution, als etablierte links gerichtete Medien, auffrisst.

Wenn man all das für einen Moment aus der Gleichung ausklammert, bleibt einfach nur, dass sowohl die eine Seite, die einen Nachrichtenstationen und Blätter, mit ihren dahinterstehenden Interessensgruppen, deren Ideologie, Werthaltung und Weltbild, als auch die andere Seite, die anderen Nachrichtenstationen und Blätter, mit wiederum dahinterstehenden Interessensgruppen, mit deren Ideologie, Werthaltung und Weltbild, verzweifelt und vehement um die Aufmerksamkeit der Zuseher, Leser und Konsumenten buhlen.

Denn auch der Linkste all jener Schreiberlinge, der Linkste all jener Sender und das Linkste all jener Blätter, so links er und sie auch immer tönt und sich gibt, ist dennoch eingebunden ins kapitalistische System und muss sich irgendwie, ob direkt oder indirekt finanzieren, und das geht nunmal am besten durch die Clickrate, die auflagendienliche mediale Effekthascherei und die Befriedigung von Sensationslust, sowohl der eigenen als auch der Rezipienten, und schlicht durch die bewusste oder unbewusste Selbstinstrumentalisierung für eine wie auch immer geartete politische Agenda, während man sich als neutral sieht und die eigene Wahrnehmung, die eigene Interpretation des Geschehens für objektiv hält, für die Wahrheit ausgibt und ständig von Fakten spricht, und etwa ganz auf Konstruktivismus, Erkenntnistheorie, Ideologiekritik, Cartesianismus, sowie auf das Augenscheinliche im Museum der Wahrnehmung und die Erkenntnisse der menschlichen Biologie vergisst, worin bekannt ist, dass wir die Dinge nicht so sehen, wie wir sie sehen, sondern auf dem Kopf stehend, und erst unser Intellekt, unser Verstand, das Bild, das wir mit unseren Augen sehen und für wahr halten, dieses Bild umdreht, das wir dann für wahr halten, für die Wahrheit, für fest und manifest, als wäre es wirklich so, und nicht auf dem Kopf stehend, obwohl es nichts anderes ist als unsere Konstruktion.

Und weil so viele davon nichts wissen und viele davon nichts wissen wollen, sind sie felsenfest auf einem politischen Kreuzzug, im Zuge dessen sie sich im Recht wähnend die Wahrheit, die Fakten, die Objektivität in die Welt bringen wollen, der Welt, zu der wir (spätestens seit Immanuel Kant) keinen unmittelbaren, also direkten Zugang haben, sondern der durch unsere Wahrnehmung verfälscht ist, wovon wir wüssten, wären wir gebildet und nicht nur informiert von der einen oder der anderen Informationsquelle, ergo Nachrichtenstationen und Blätter.

Da dem aber im Regelfall nicht so ist, die meisten sich für gebildet halten und oft auch noch durch Universitäten gestützt "selbstimmunisiert" (Ernst Topitsch) werden, missbrauchen so viele die Medien für ihre unlauteren, unethischen Zwecke und ziehen, wie so viele in den Medien heutzutage, hochpolitisiert und mit Schaum vorm Mund, der Hetze verschrieben, gegeneinander in den Krieg, obwohl sie gut daran täten nicht auf die medialen Kriegstrommeln zu schlagen, sondern ihre klaffenden Bildungslücken zu schließen, womit sie ein Leben lang zu tun hätten.

Vom ideologiekritischen Standpunkt aus gesehen ist es hilfreich, wenn man Fake News wahrnimmt und über entsprechende Gegenmaßnahmen nachdenkt, mindestens eine 3-Teilung zu treffen, gestaffelt nach dem Schweregrad der sozialen Beeinflussung bzw. des daraus entstehenden Schadens für die betroffene Person/Gruppe.

Mein zur medialen Selbstkritik anregender Vorschlag eines "Fake News Identification and Analysis Systems" (FIA-System) formuliert folgende 3 Kategorien (Cat.1/Cat.2/Cat.3), aufbauend auf dem Cat.0 - Basiswert als Referenzgrundlage - die die Abweichung von diesem weitgehend neutralen Basiswert Cat.0 beschreibt:

  • Base Value Cat.0 - Weitgehend neutrale Darstellung - ausgehend vom wissenschaftlich-redlichen Versuch eine neutrale Sicht (Cat.0) auf eine Person, eine Gruppe, ein Ereignis, eine Situation unter Vermeidung von vorgefassten ideologisch gefärbten Unterstellungen. Diese Kategorie, die selbst nicht in die Kategorisierung der Fake News fällt, sondern sich um eine 360°-Beschreibung von Personen/Ereignissen bemüht, ist als Referenzgrundlage Cat.0 in die Systematisierung einzuführen und für folgendes Referenzsystem der Kategorisierung der Fake News in Cat.1/Cat.2/Cat.3 heranzuziehen.
  • Fake News Cat.1 - Subtile Fake News: Fake News, die im öffentlichen Bereich ideologiegeleitet (subtile) Manipulation zur Sicherung etablierter Deutungshoheit über Massenmedien betreiben, aber auch über Soziale Netzwerke (Bots) veröffentlicht werden.
  • Fake News Cat.2 - Persönliche Diffamierung/Üble Nachrede: Soziale Phänomene der Ausgrenzung (Mobbing), wie in Schule/Beruf, über Social Media mit der Absicht eine bestimmte Person bzw. konkret gefasste Gruppe persönlich zu diffamieren und in ein gesellschaftlich schlechtes Licht zu rücken.
  • Fake News Cat.3 - Crime Fake: Frei erfundene Unterstellungen krimineller Handlungen auf Basis von ins Kriminelle weitergesponnenen Anschuldigungen.

Die Grenzen zwischen den formulierten Kategorien sind fließend und können in Zwischenstufen differenziert werden, was etwa bei Cat.0.5 News bereits eine tendenzielle Berichterstattung bedeutete. Doch die Fake-News-Forschung steht erst am Anfang.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Mittwoch, 6. September 2017

Wenn die Demokratie zur Diktatur wird

Früher oder später wird es weitgehend Zensur geben und zwar nicht in der klassischen Diktatur - an die jetzt viele denken mögen, nein, da gibt es sie schon, hat lange Tradition - sondern in der Demokratie, in der hochgelobten Demokratie, und zwar mit dem Zeitpunkt, an dem die Menschen die Bildung, oder sagen wir das Wissen, das sie genossen, zu sehr anwenden, also zum Hinterfragen nutzen. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem das Hinterfragen zu weit geht, an dem das Hinterfragen genau so demokratiezersetzend eingestuft wird wie etwa terroristische Aktivitäten. Und vom wem?

Die Rede ist von den jeweils Regierenden, da zu diesem Zeitpunkt im Zuge des Hinterfragens, das es wert ist so genannt zu werden, auch diejenigen ausgiebig hinterfragt werden, die in der Demokratie das Sagen haben, die die Informationen verbreiten, das Wissen erzeugen, die Bildung vermitteln und ironischerweise die längste Zeit zum Hinterfragen anregten, weswegen sie dann, wenn sie selbst hinterfragt werden, den Hahn schnell zudrehen, von Fake News sprechen, weil ihnen die Deutungshoheit aus den Händen gleitet, womit sie, unter dem Vorwand die Demokratie bewahren, retten zu wollen, doch nur um ihre eigene gepflegte Haut zu retten, die Demokratie zur Diktatur mutieren lassen, zur Diktatur der Fakten, die ihrer Aussage gemäß der Meinung entgegen stehen und damit die Meinung wieder unterdrücken.

Doch die Fakten, liebe Leute, sind letztlich nur die etablierte Meinung derer, die oben sitzen und es so gesehen haben wollen, wie sie es uns sehen lassen wollen. Sie nennen es 'Fakten' und alles andere, was von ihrer Sicht abweicht, demgemäß 'Unwahrheit' oder gar 'Lüge'. Das müssen Sie mir nun übrigens nicht glauben, denn ich spreche nicht von Fakten, sondern bloß von meiner Meinung und Einschätzung.

So ist der Vorwurf der Fake News nur ein Propagandainstrument zum Zwecke des Machterhalts und letztlich eine Folge der Demokratisierung, und der Wissensdemokratisierung, worüber jeder so weit ermächtigt wird, dass jeder 'alles' weiß, oder über das Internet jeder zum Experten wird, Experte in 'allem', keiner mehr Experten der herkömmlichen Art braucht, Experten somit ihre Funktion, ihre Rolle, ihre Macht einbüßen, ihr Monopol auf Wissen, das ihnen garantierte, dass es ohne sie nicht geht, dass man sie braucht, dass man nicht um sie herumkommt.

Der Vorwurf von Fake News ist also ein selbstgeschaffenes Resultat derer, die es nun kaum fassen können, dass ihnen die Felle davonschwimmen und sich die auf ihr Betreiben gebildeten Massen nun gegen sie richten, indem sie ihnen nicht mehr ungeschaut aus der Hand fressen, nicht mehr unkritisch alles schlucken und nachbeten, was sie ihnen die längste Zeit vorkauten und predigten. Sondern die erstarkten Massen hinterfragen sie nun, hinterfragen also diejenigen, die die Informationen bringen, die bislang weitgehend unangefochten das brachten, was man glauben sollte, und nun 'plötzlich' hinterfragt aus allen Wolken(städten) fallen, die sie bevölkern, weil sie nicht damit rechneten, dass die von ihnen (aus)gebildeten Massen irgendwann das propagierte Hinterfragen auch auf sie anwenden und anfangen würden zu fragen, warum man das, was sie ihnen bringen, denn glauben sollte.

Damit einher geht, dass nicht nur diejenigen, die die Informationen verbreiten und einander der Fake News bezichtigen, hinterfragt werden, sondern auch die, die das von jenen eben Genannten verbreitete so 'hochgeschätzte' Wissen erstellen, an Instituten, an Universitäten ausbrüten. Sie werden nun ebenso hinterfragt, und auch dahingehend wer ihre Auftraggeber sind, wer hinter ihnen steht, für die sie das Wissen erzeugen oder besser lukrieren, da die Freiheit der Wissenschaft, sofern sie denn je bestand, seit der Einflussnahme von Konzernen auf Institute und Universitäten zu Grabe getragen wurde und damit die Vielfalt in der Wissenschaft, und letztlich im Geiste und der Gesellschaft, auf die Vermarktung, die Vermarktbarkeit von Erkenntnis reduziert wird, Kreativität auf Innovation, und so nur mehr das unmittelbar amortisierende, der schnell zu Geld machbare Gedanke und nur eine eben solche Forschung von multinationalen Konzernen finanziert wird, von denen immer mehr Institute und Universitäten kontrolliert werden.

"Einflussnahme hat's immer schon gegeben!" - bitte keinen historischen Fehlschluss begehen - doch die Akkumulation des Kapitals und damit die Konzentration der Macht auf immer weniger verbleibende Konzerne, in einer Fusionsschlacht, führt dann zu einer exponentiell zunehmenden Akkumulation der Einflussnahme. Der Amerikanisierung der Wissenschaftswelt auch am europäischen Kontinent sei 'Dank', die suggeriert (Turbo-)Kapitalismus nicht als Ideologie anzusehen, und ihn daher als alternativlose, faktengestützte, realitätskonstituierende - glaubt man den sogenannten Experten - geradezu naturgesetzliche Wahrheit anzusehen und zu akzeptieren, und nicht als bloße soziale Konstruktion, die der Kapitalismus nun mal ist.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Sonntag, 3. September 2017

Gut bezahlte schlechte Arbeit

Wir werden von einer Wirtschaftselite regiert, die Politiker vorschiebt die Verantwortung für die Taten, das Fehlverhalten dieser Wirtschaftselite zu übernehmen, währenddessen jene Elite im Hintergrund bloß in Zahlen denkt und daher in ihrer Kurzsicht darauf fokussiert ist die Kosten klein zu halten, damit die Qualität zu senken, und die so die großen Probleme von morgen schafft. Nur dass wir uns richtig verstehen - für so viele Bereiche gilt: Die Kosten im Einzelnen klein zu halten, schafft die großen Probleme von morgen für die Vielen.

Weil geprägt von Sunzis Die Kunst des Krieges nun jene Wirtschaftskaste bestehend aus Betriebswirten, die zwar von Betrieben, Konzernen und deren Überleben etwas verstehen - wie am besten der für sie "feindlichen Umwelt" alles abzuverlangen, herauszureißen ist, wie Gewinne zu privatisieren und Verluste zu verstaatlichen, wie Staaten gegeneinander auszuspielen sind, stets mit der Drohung beim Hinterfragen ihnen aufgezwungener Bedingungen in ein anderes Land, in ein Land der (noch) Willfährigen abzuwandern - doch nichts von den Menschen versteht, von der Gesellschaft, den Zusammenhängen, also nicht systemisch denkt, sondern fraktioniert und partikulär, reduziert diese Wirtschafts(krieger)kaste, die ganze Gesellschaft mit ihren Standards, das Miteinander, auf Kennzahlen, die es, was die Kosten betrifft, aus ihrer Sicht um jeden Preis klein, gering zu halten gilt.

Doch übersieht diese Wirtschaftskaste dabei (wohl ganz bewusst) einen wichtigen Punkt: Menschen kosten. Sie sind kostbar; und in Systemen lohnt sich vieles, was teuer ist, auf lange Sicht, und vieles, was billig ist, hält nicht allzu lange. Weil sich nun diese Wirtschaftselite dessen bewusst ist, es aber nicht wahrhaben will, könnte man meinen, dass so viele Wirtschaftslenker um jeden Preis diesen Kostenfaktor zu eliminieren versuchen, nicht indem sie menschenwürdige Lösungen für alle anbieten, sondern bloß für wenige, und immer weniger, und die Kosten unter allen Bedingungen drücken, indem sie den Vielen erst die Jobs, dann die Würde und das Leben nehmen.

Und weil die ganze konzertierte Malaise aufeinander abgestimmt sein will, treffen sie sich zur Besprechung und Planung alljährlich in Davos, Alpbach und in Jackson Hole, wo sie am kollektiven "Schwarzen Loch" werkeln, in das sie die Legionen der Armen stürzen, die Überreste der Mittelschicht abrutschen lassen und verscharren, ein Schwarzes Loch, das sie zuvor die, die ihnen ergeben dienen, ihre Politik verteidigen, für sie schaufeln lassen, um ihnen erst am Schluss den Todesstoß per Tritt zu verpassen und sie wissen zu lassen, dass auch sie als die braven Diener ihrer mehr als vermögenden Herren nicht und niemals in deren Gated Community Platz finden sollten.

Wer nun sagt, dass dieses Schwarze Loch, in das die Mehrheit der Menschen wegen jener Wirtschaftselite schlittert, zu schwarzgemalt ist, den frage ich: Was rechtfertigt die fürstliche Bezahlung dieser Elite, wenn sie trotz oder gerade wegen ihrer "Kompetenz" und "guten" Ausbildung an diesem immer mehr in Schieflage geratenden Schiff, auf dem wir uns befinden, nichts ändern wollen oder können? Und wer nun fragt, wer, wenn nicht jene Elite sollte uns, das Erdenvolk, regieren? Den frage ich zurück: Warum sollte man jener Wirtschaftselite weiter vertrauen, weiter folgen, sie weiter machen lassen wie bisher, wenn sie doch über die Jahre erfolgreich unter Beweis gestellt hat, im besten Fall, in der bestmöglichen Auslegung ihrer Motive mit der Lage völlig überfordert zu sein? Denn wie sie Jahr für Jahr erneut beweist: Einen derart schlechten aber sehr gut bezahlten "Job", als Funktionär dieser globalen Elite, könnte wohl wirklich jeder machen.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann